Frettchenspaziergang

 

Wer mit seinen Frettchen einen Spaziergang wagt, der hat was zu erzählen. Es fängt schon damit an, dass Frettchen nicht unbedingt sehr gesittet geradeaus laufen, sondern eher geleitet von ihrem Geruchssinn ( für uns ) unsichtbaren Spuren folgen. Jeder Strauch muss von allen Seiten begutachtet werden, Erdlöcher animieren zum Buddeln und von der gegenüberliegenden Seiten kommen so wie so die besten Düfte. Daher haben wir leinenführenden Zweibeiner für den unbedarften Betrachter eine recht urige Gangart, die ihn an eine Zick-Zack-Linie erinnert. Das erregt natürlich seine Aufmerksamkeit und wer Zeit hat, schaut genauer hin.

Und schon kommt man als Frettchenhalter in die Phase , wo sich nette Gespräche ergeben und zum Teil recht lustige Fragen auf einen einprasseln. Zum Beispiel gibt es Passanten die glatt der Meinung sind, dass man eine oder mehrere Ratten an der Leine spazieren führt. Na, dazu fällt mir nur ein, das diese Personen ihr Lebtag noch keine lebendigen "Schadnager" genauer betrachtet haben können, denn unser Frettchen zeichnet in der Regel eine dicht behaarte Rute aus. Der Sache schon näher kommen die Diagnosen, das es sich um eine neue "Mini-Hunderasse" handeln müsse, denn beiden gemeinsam ist das Raubtiergebiss. Richtig niedlich fand ich ein kleines Mädel, die ich mit einem meiner Albinorüden traft und die völlig begeistert losbrüllte:" Oh Mami schau mal. Ein Mini Eisbär!" Um dann, ihre Mutter mit sich reißend, auf mein etwas verdattertes Frettchen zu zu stürmen. Das sind dann die Situationen, wo ich gerne innehalte und mit den Leuten über "Frettchen, das verkannte Wesen" ein Gespräch beginne.

Denn auf meine Erläuterung, dass dieses wuselige Tier an der Leine ein Frettchen ist und zur Familie der marderartigen Raubtiere gehört, folgt oft die Antwort:" Ach, diese niedlichen Tiere sind die, die bei unseren Autos die Kabel fressen ?" Worauf mir ein Lächeln über das Gesicht gleitet und ich mich gezwungen sehe, doch etwas ausführlicher über diese Tierart zu berichten, zumal Frettchen nicht annähernd so gerne Kabel verspeisen wie zum Beispiel Kaninchen. Aber bestimmte Gummisorten, vorzugsweise Dichtungen von Waschmaschinen, denn noch nicht vor ihren Zähnen sicher sind. Jedoch Autokabel zerstört diese Tierart bestimmt nicht, da sie gar nicht wildlebend vorkommen. Nun runzeln oft meine Gesprächspartner die Stirn, denn für sie ist ein Frettchen ein echtes Wildtier, das in den Wald gehört. Aber spätestens, wenn ich mit den Vergleich bringe, dass man einen domestizierten Hund nicht mit seinem Ursprung dem Wolf gleichsetzt, verstehen sie die Rasse "Frettchen" besser und akzeptieren, dass diese Tiere nicht in die freie Natur gehören, zumal sie dort zwangsläufig verhungern würden durch den mangelnden Wildtrieb.

So beruhigt wird dann das nächste Problem, die Fütterung, erörtert. Aber da sie recht gut mit Frettchentrockenfutter, Eintagsküken, Rinderherz , Hühnchen usw. versorgt werden können, ist das schnell erledigt und wir kommen zu dem Themenbereich Haltung und "typisch" Frettchen. Wenn es darum geht über Eskapaden meiner pelzigen Freunde zu berichten, dann komme ich richtig in Fahrt und das Gespräch könnte einige Stunden dauern. Darum halte ich mich zurück und benenne nur die häufigsten "Untugenden" meiner Kumpels. Z.B. Blumen ausbuddeln, Sachen verschleppen, Gegenstände genauestens untersuchen, was unser stets wechselndes Design vom Küchengeschirr begründet usw.. Diese Ausführungen schrecken schon einige Zuhörer ab. Aber wenn wir dann in das Gefilde der Haltung driften, dann ermüdet das Interesse zu sehens. Es beginnt damit, dass man sie nicht einzeln halten sollte/darf, da das Frettchen ein sehr sozial geprägtes Tier ist und zur artgerechten Tierhaltung halt einen Artgenossen benötigt. Viele Zuhörer haben dann die unbegründete Angst, dass sie dann nicht so zahm werden, aber auch dass die Anschaffungs- und Haltungskosten enorm hoch sind!

Wo wir dann das Thema der Tierarztkosten anschneiden, denn Frettchen müssen geimpft sein und zumindest die Fähen, die nicht zur Zucht eingesetzt werden, müssen kastriert werden, um die Dauerranz zu vermeiden. Vielen Zuhörer entweicht dann ein :" Mhmm !?! " (Was ich mit arg schwindendem Interesse gleichsetze.)

Jedoch, bei den von mir genannten Käfigmaßen (mindestens 2m² für 2 Tiere) und Mindestfreilaufzeiten von 3 Stunden täglich, vergeht vielen endgültig jegliche Lust auf diese Tierart! Was ich völlig in Ordnung finde, denn lieber ganz wenig Halter die ihren Tieren einen vernünftigen Lebensraum bieten, als Qualhaltungen durch Unwissenheit.

Die ganz verwegenen Passanten erkundigen sich jetzt aber noch nach den Bezugsquellen für Frettchen. Und dann bin ich in Zugzwang, da viele Züchter hier in Umfeld leider in meinen Augen nicht empfehlenswert sind und meines Wissens kein Zoogeschäft hier in Hildesheim noch Frettchen im Angebot hat.  Daher verweise ich auf Tierheime, unseren Verein mit seiner Homepage,  und das Internet, wo man Infos über Abgabetiere und weitere Haltungsprobleme einholen kann.

Dann werden aber meistens schon meine Begleiter sehr ungeduldig und es wird Zeit weiterzugehen. Darum folgt ein kurzer Abschiedesgruß und jeder Gesprächspartner setzt seinen Weg fort. Wir, bis wir auf den nächsten Passanten mit amüsanten Aussagen stoßen.