Badezimmerdekoration

Ich hieße Balou, bin 1 ¾ Jahre alt und bin laut meinem Frauchen Ulli ein bildhübscher und sehr temperamentvoller Iltis-Junge.

Viel, viel gibt es über mich zu berichten: Ich bin ein Klettermaxe, bade gerne im Aschenbecher, klaue Frauchen den Fisch vom Tisch und möchte auch immer bei ihr mit in die Badewanne. Warum sie das nicht so gerne möchte, kann ich gar nicht verstehen. Aber auf diese Vorlieben werde ich weitern Geschichten näher eingehen.

Wisst ihr was echt ätzend ist ? Das Frauchen ab und zu Spätschicht hat und dann erst spät Abends, wenn es schon dunkel ist nach Hause kommt. Ich will ja nicht meckern, da sie sich dann trotzdem die Zeit für uns Freddels nimmt. Aber an jenem besagten Abend war mir echt langweilig. Frauchen musste Schreibkram machen und konnte darum nicht stundenlang mit mir spielen. Da wir erst kürzlich umgezogen sind (der alte Vermieter wollte uns Frettchen nicht haben ) und Klopfer, Radieschen und Miss Molly schon schliefen, begab ich mich auf Entdeckungsreise - und landete im Badezimmer. Irgendwie gefiel mir dieser Raum gar nicht. Das sah so ordentlich aus. Wisst ihr, normalerweise liegt sonst in allen Räumen Hunde- und Frettchenspielzeug herum, nur das Bad ist aufgeräumt. So geht das nicht ! Nun, nach kurzem Überlegen habe ich beschlossen auch diese Räumlichkeit uns alle gemütlich zu gestalten. Als erstes öffnete ich den Schwenkdeckel und krabbelte in den Mülleimer, kippte diesen dabei um und verteilte den Inhalt rund um die Toilette. So gefiel mir das schon besser. Als nächstes fiel mein Blick auf einen Ständer mit 5 aufgesteckten Klorollen. Damit lässt sich doch was anfangen, schoss es mir durch den Kopf. Also schubste ich ihn auch um , wickelte die Rollen ab und verteilte das Papier ganz nebenbei im gesamten Raum. Um mein "Meisterwerk" von oben zu betrachten, kletterte ich auf Frauchen´s Rattankommode.

Oben angekommen, fand ich: Da fehlt doch noch was ! Aber was ?? Wie ich da so grübelte, fiel mir ein, dass sich die Schubladen beim Raufklettern bewegt haben. Wäre ja ein Versuch wert sie zu öffnen und dort nach weiterem Dekorationsmaterial zu suchen. Also setze ich die Idee in die Tat um. Und was fand ich in den Schubladen ? Socken und Unterwäsche ! Die durchwühlte ich gründlich und weil dabei einige Teile zu Boden gegangen waren, habe ich die Schubladen gleich ganz ausgeräumt. Na ja, so offene und entleerte Schubladen sehen wirklich nicht besonders attraktiv aus, also ab auf die Erde damit. Zufrieden und leicht erschöpft, saß ich dann auf der Kommode und betrachtete mein Werk.

 

 

 

 

Dann hopste ich auf den Badewannenrand, da der "Künstler" in mir dieses Meisterstück aus einer anderen Perspektive betrachten wollte. Aber was war das ? Meine Pfötis fanden keinen Halt. Ich rutschte in die Badewanne. Nun war ich gefangen, denn trotz aller Anstrengung kam ich aus diesem Gefängnis alleine nicht heraus. Ich dachte nur: << Oh je, hoffentlich kommt Frauchen bald und rettet mich! >> Denn ihr könnt mir glauben, ohne warmes Wasser ist eine Badewanne echt kalt und richtig langweilig.

Als Frauchen mich dann endlich suchte und nach mir rief, antwortete ich ihr überglücklich durch lautes Muckern. Jedoch als sie das Badezimmer betrat, blieb sie auf der Schwelle stehen. SPRACHLOS ! << Mensch >> dachte ich bei mir : << Die Überraschung ist wohl gelungen! >> Aber als sie dann entsetzt und mit einem leicht bösen Unterton recht laut rief : " Ohhh, Balou!!!" Da war ich mir meiner Sache nicht mehr so sicher und in mir stieg der Wunsch hoch, dass sich im Boden ein Loch öffnen möge worin ich klammheimlich verschwinden kann. Aber ich hatte kein Glück und musste mich den nun folgenden Sanktionen stellen. Darum verhielt ich mich lieber ganz ruhig, denn mein vorheriger Mensch hat mich gehauen, wenn ich zu fleißig gewesen war. Aber was machte Ulli ? Sie fischte mich mich aus der Badewanne, verhaute mich nicht, aber stopfte mich wortlos in den Käfig ! Ups, das war hart! Aber zum ersten Mal, seitdem ich bei ihr eingezogen bin, protestierte ich nicht und verkroch mich in mein Häuschen. Aber unter uns : Nach der Schwerstarbeit war ich auch sehr, sehr müde.

Ich hörte Frauchen lange fluchen, während sie das Badezimmer wieder in seinen Ursprungszustand versetzte und mich plagte das schlecht Gewissen.

Aber eins habe ich daraus gelernt: Ich werde mich nie wieder als Dekorateur im Badezimmer betätigen. Denn ein böses Frauchen bringt nur Unglück! Das habe ich schon einmal erlebt, dass mich meine Zweibeine nicht mehr lieb hatten und nicht mehr haben wollten. Ein zweites Mal passiert mir dass nicht!

Und darum ihr Freddels :

Die Moral von der Geschicht :

übertreibt das Dekorieren nicht !

 

( Autorin: Ulli Märtens )