Tommy

 

  

Schon der Einzug von Tommy war eher von der ungewöhnlichen Sorte, denn Frank betrat den Zooladen in der Absicht, sich einen Herzenswunsch zu erfüllen und einen Papageien zu kaufen. Im Geschäft wurde seine Aufmerksamkeit von einem Gehege mit unbekanntem Inhalt erregt. Der hinzu gerufene Verkäufer erklärte ihm, dass es dabei um Frettchen handele und erlaubte ihm in das Gehege zu fassen. Sofort kam ein iltisfarbiger Bursche angesaust, kletterte über den Arm auf die Schulter und schleckte Frank das Gesicht ab. Damit nahm das Schicksal seinen Lauf und der Grundstein für eine innige Freundschaft war gelegt, denn Frank verließ den Zooladen mit seinem Tommy, nebst dem erforderlichen Zubehör im Schlepptau.

Meine ersten Kontakte mit Frank und Tommy waren eher negativ behaftet, und stammen aus der Zeit, als er auf der Suche nach einem Ferienplätzchen für seinen Tommy war. Seine damalige Ansprechpartnerin behauptete, das er sein Frettchen bestimmt nur loswerden wolle und später nicht abholen will. Aber unsere Ulli bot trotzdem ihre Hilfe an und so lernten wir Frank und Tommy kennen. Zum Glück bestätigte sich die Prognose der bösen Zunge in keiner Form. Bevor Frank in den Urlaub fuhr, besuchten die beiden Ulli dreimal, denn Frank wollte absolut sicher sein, dass sein "Tommy, die alte Socke" auch harmonische Freien verlebt und sich in kompetenter Obhut befindet.

Obwohl Tommy in der Ferienzeit die Gesellschaft der anderen Frettchen genoss, war der Tag seiner Abholung ein echtes High Light für ihn. Kaum dass er die Stimme von Frank hörte, stürmte er los, verpasste ihm eine "Gesichtswäsche" nach Frettchenmanier, um es sich dann auf seinem Schoß gemütlich zu machen. Alle anderen waren abgemeldet.

Nach dem Urlaub wuchs in Frank die Gewissheit, das er zwar für seinen Tommy eine ganz wichtige Bezugsperson ist, aber um das Glück seines Frettchens zu perfektionieren, fehlte ein Artgenosse. Da er bei Ulli immer sehr gerne mit "Radieschen", einer reizenden winzigen Iltisfarbigen Fähe gespielt hatte, sollte die neue Partnerin von Tommy ihrem Ebenbild entsprechen.

Bedingt durch eine Zuchtauflösung, hatte unser Verein gerade zu diesem Zeitpunkt einen Wurf iltisfarbiger Welpen, nebst Elterntiere übernommen, die nun zur Vermittlung standen. Also besuchte Frank Petra Richter, die die Welpen betreute und wir durften erleben, wie Mausi unseren Frank von der Stelle weg adoptierte. Rucki - Zucki saß sie auf seiner Schulter und keine 2 Minuten später turnte sie auf seinem Kopf herum. Damit war auch ihr weiterer Lebensweg geebnet, denn Frank nahm diesen niedlichen Frechdachs mit nach Hause.

Die erste Begegnung er beiden Frettchen war unspektakulär. Etwas Gerangel, fast kein Gequietsche, ein winziger Anflug von einer Puschelrute und dann ab in die Hängematte für ein gemeinsames Nickrechen. Danach gab es nie wieder irgendwelchen Zwist in dieser Zweierbeziehung.

Jedoch musste Tommy die bittere Pille schlucken, dass er sich nun seinen Frank mit Mausi zu teilen hat. Das fand er gar nicht so witzig, denn wenn Frank ihn runtersetzte, weil Mausi auch ihre Streicheleinheiten brauchte, zog er sich tief beleidigt in den Käfig zurück, schmieß sich mit einem Ächzer in die Hängematte und lauerte auf den Moment, wo Frank wieder Zeit für ihn hat. Kaum beobachtete er, dass die "Mausi - Knuddelrunde" zu Ende ist, sprang Tommy auf, um auf direktem Weg erneut auf Frank seinem Schoß zu landen ! Dann war seine Welt wieder in Ordnung.

Tommy war knapp 2 Jahre ein Einzelfrettchen und in der Zeit hat er Frank sehr oft begleitet. Darum war Tommy ein disziplinierter Autofahrer. Er lag brav ohne Transporter auf dem Beifahrersitz. Nie kam er auf die Idee während der Fahrt im Auto herum zu hopsen oder gar unter die Pedalen zu krabbeln. Auch als Frank ihn zum Fotografen brachte, damit ein schönes Passfoto für den Impfausweis von ihm angefertigt wird, benahm er sich in der fremden Umgebung vorbildlich und das Resultat ist erstaunlich. Denn jeder, der schon mal probiert hat sein Frettchen abzulichten, weis wie schwer es ist ein nettes Foto in den Kasten zu bekommen. Ich persönlich habe entweder eine riesige Nase vor der Linse oder eine Rutenspitze. Sehr selten das gewünschte goldene Mittelmaß.

Aber Tommy war nicht nur ein sehr freundliches Frettchen, nein manchmal war er auch ein richtiger Radau-Bruder! Das passierte immer dann, wenn Frank ihm eine Großpackung Luftballons gekauft und sie im Schweiße seines Angesicht aufgeblasen hatte. Tommy musste dann im Käfig warten bis Frank fertig war. Diese Wartezeit verbrachte er damit wie wild die Gitterstäbe seines Gefängnisses zu bearbeiten. Und je mehr Luftballons Frank aufpustete, desto größer wurde seine Vorfreude. Kaum öffnete sich endlich das Türchen, da kam der schwarze Blitz auch schon angebürstet und das fröhliche Spiel nahm seinen Lauf. Rucki - Zucki, mit perfekt platzierten Attacken zerplatze ein Ballon nach dem anderen und viel zu schnell war der Spaß vorbei. Wer dabei mehr ins Schwitzen gekommen ist , ist fraglich.

 

Mausi berichtet wie es weiterging 

 

Tja, nun bin ich alleine. Kein Tommy mehr da. Dass mein Tommy krank war habe ich wohl bemerkt, denn er wollte nicht mehr mit mir spielen. Er lag nur noch träge herum. Auch zum Kuscheln hatte er keine Lust. Auf meine Zärtlichkeiten reagierte er nicht. Futtern wollte er nicht, Trinken mochte er nicht. Oh, meinem armen Tommy ging es wirklich schlecht. Ich war sehr besorgt.

Unser Frank bemerkte es auch gleich und brachte ihn sofort zum Tierarzt. Dort wurde er geröntgt, abgetastet, abgehorcht und was weis ich noch alles. Dann kam die Diagnose : Vergrößerte Milz. Frank hat ihn natürlich gleich am nächsten Tag operieren lassen. Aber es war schon zu spät. Seine Milz war derartig entartet, das selbst die Tierärztin noch nie eine solche Monstermilz bei einem Frettchen zuvor gesehen hatte. Sie war ca. 250 g schwer und hatte diese Ausmaße :

 

 

Wie durch ein Wunder, überstand mein lieber Tommy die Operation und meine Hoffnungen stiegen ihn lebend wieder zu sehen. Aber leider versagten einen Tag später seine Körperfunktionen, nachdem er so um sein kleines Leben gekämpft und alle Freunde um eine Genesung gebangt hatten.

Als Frank ihn abgeholte und ich ihn so regungslos da liegen sah, mit seinem nackigen Bäuchlein und der großen Narbe, wurde ich ganz traurig. Also leckte ich ihm noch einmal zärtlich das Gesichtchen ab und verabschiedete mich von ihm. Unsere Trauer war unermesslich. Nur Frank und ich haben ihn dann einen Tag später in einem sehr feierlichen Rahmen auf dem Tierfriedhof beigesetzt und einem eher ruhigen und besinnlichen Jahreswechsel verlebt.

Nun war keiner mehr da, der mich im Häuschen wärmte, meine Öhrchen putzte, mich neckte und mit mir durch die Wohnung tobte. Ich vermisste ihn so doll. Frank bemühte sich zwar sehr mich zu beschäftigen und ich war dankbar für seine liebevolle Betreuung . Ich flitze auch brav herum, aber so richtig lustig wie mit Tommy war es nicht, denn er ist nun mal kein Frettchen ! Zu meinem Glück ist mein Frank ein sehr einfühlsamer Zweibeiner und darum reifte sehr schnell in ihm die Erkenntnis, dass wieder ein Spielpartner für mich ins Haus muss.

Damit begann das Abenteuer : Partnersuche! Es sollte möglichst ein Abgabefrettchen aus unserem Gebiet sein. Ferner stand für Frank fest, dass es nur ein schöner großer, möglichst kastrierter Iltis sein sollte. Mir war es egal, solange er ein freundliches Wesen hat. Kaum, nahm dieser Gedanke Formen an, rief auch schon Nachts um 0.30 Uhr eine uns fast unbekannte Dame an und textete Frank zu, wo überall Abgabefrettchen wären, die auf ein neues Zuhause warten. Das fanden wir nicht so witzig, zumal sie vor nicht all zu langer Zeit noch recht böse Dinge über meinen Frank vom Stapel gelassen hatte. Aber Frank informierte sich trotzdem bei den von ihr genannten Frettchenhilfen, jedoch war nichts passendes dabei und alle viel zu weit entfernt. Dann rief er in allen Tierheimen in der näheren Umgebung an, aber ohne Erfolg, denn die hatten gar keine Frettchen. Täglich studierten er und die Vereinsmitglieder alle Tageszeitungen in ihrem Einzugsgebiet, doch was soll ich schreiben: Es gab keinen Partner für mich in unserer Region. Oder sie waren so schnell vermittelt, dass sie zum Zeitpunkt unseres Anrufes schon abgeholt waren. Dann klingelte erneut das Telefon und es meldete sich eine Frau, die gleich drei Frettchen auf einen Schlag abgeben wollte. Aber so viele Frettchen auf einmal wollte mein Frank auch nicht. Und eine bestehende Gruppe auseinander zu reißen, war nicht nach seinem Geschmack. Deshalb blieb ich vorerst partnerlos und amüsierte mich inzwischen köstlich mit Frank. Was auch nicht so übel war, aber .... ein Frettchen kann er nun mal nicht ersetzen, als Zweibeiner.

Schließlich wurde Brigitte von der "Frettchen-Arche 2003"  fündig. In Alfeld waren Ende Oktober 2003 sechs Frettchen ausgesetzt worden. In einem winzigen Transporter hat sie ihr Besitzer einer ehemaligen Aktivistin vom Tierschutz vor die Haustür gestellt, während diese mit ihrem Hund den täglichen Spaziergang absolvierte. Die Alfelder Presse hatte darüber berichtet und bei Herrn Tute aus Ammensen haben sie bis zur Vermittlung einen Pflegeplatz gefunden. Dank der Kostenübernahme durch den ansässigen Tierschutz, waren die Rüden inzwischen kastriert.

Also vereinbarte mein Frank telefonisch einen Termin mit Herrn Tute. Begleitet von Ulli und Brigitte fuhr er dort hin. In Ammensen angekommen wurden sie ins Haus gebeten, durften sich Frettchenfotos ansehen und Zeitungsartikel, z.B. über die Aussetzung der Frettchen lesen. Ferner erfuhren sie dass noch einige der ausgesetzten Frettchen zu vermitteln wären, was die drei sehr erstaunte, da sie dachten, dass der Presserummel für eine schnelle Vermittlung gesorgt hätte. Jedoch waren noch zwei Zimtrüden und eine Albinofähe da, die auf ein neues Zuhause warteten. Dann ging es in die Garage, wo die Frettchenkäfige eingebaut waren. Herr Tute öffnete das Gehege und sofort kamen die Frettchen heraus. Die beiden Rüden machten einen sehr lieben und aufgeweckten Eindruck, aber die kleine Fähe entpuppte sich als Frechdachs und flotte Beißerin. Nachdem sie alle Frettchen begutachtet hatten, fiel die Wahl von meinem Frank auf den zimtfarbigen, wunderschönen Harlekinrüden, der sich gleich von seiner schmusigen und kuscheligen Seite präsentierte.

 

.. ach ja, eine Woche später zogen die anderen beiden Frettchen bei unserer Ulli ein.