Dauerranz

 

Der periodische Zyklus der sexuellen Aktivität wird bei Frettchen durch helles Licht (Intensität, Wellenlänge und Dauer der UV-Einstrahlung) und Dunkelheit gesteuert. Werden im Frühjahr die Tage wieder länger und die Nächte kürzer nimmt unter anderem die Netzhaut des Auges diese Veränderung wahr und sendet entsprechende Signale an die Hirnanhangdrüse.

Animiert von diesen Schlüsselreizen, absorbiert nun die Hypophyse das "follikelstimulierende Hormon" - kurz FSH genannt - ins Blut und setzt somit im Körper der Frettchen folgendes in Gang :

 

bei der Fähe :

Zusammen mit einem weiteren Hormon , dem Luteinisierendem Hormon (LH) werden die Eierstöcke zur Östrogenproduktion angeregt, was die Veränderung der inneren und äußeren Geschlechtshormone bedingt: Innerlich erfolgt die Vergrößerung der Gebärmutter mit Anschwellen der Schleimhaut zur Vorbereitung der Eieinnistung und äußerlich schwillt die Vulva bis zur Größe einer Kirsche an, welche dann eine klebrige Flüssigkeit absondert.

 

bei dem Rüden :

reifen die Spermien heran und das Luteinisierende Hormon" (LH) veranlasst, dass die Hoden das männliche Sexualhormon Testosteron zu produzieren und der Eigengeruch steigt enorm an.

Dadurch, dass der Auslöser für dien Sexualtrieb der Lichteinfall ist und nicht etwa die Temperatur, werden Früh- oder Spätgeburten im Jahr weitgehend vermieden. Dies hat die Natur wohl als Schutzmechanismus (für den frei lebenden Urahn, den Iltis) eingerichtet, damit die Welpen genug Nahrung finden und sich ihre Lebenschancen steigern. 

Der Eisprung, was die Voraussetzung für die Befruchtung einer Eizelle ist, wird bei der Frettchenfähe ausschließlich durch die Ausschüttung größerer Mengen von LH ausgelöst, was nur durch den Deckakt erfolgt und als induzierte Ovulation bezeichnet wird. Nach dem Eisprung, egal ob die Befruchtung erfolgreich oder "steril" erfolgte, schwillt die Vulva ab.

Wird die Fähe jedoch nicht gedeckt, so bleibt sie während der gesamten Paarungszeit (etwa von März bis August) in dem Zustand der Ranz, was dann als Dauerranz bezeichnet wird. Die Folgen dieses Zustands für die Fähen werden von manchem Halter leider mitunter unterschätzt.

 

 

Denn Dauerranz bewirkt im Körper der Fähe:

1. einen starken Anstieg des Geschlechtshormons Östrogen im Blut

2. die daraus resultierende toxische Wirkung ruft schon nach wenigen Wochen eine Schädigung des Knochenmarks hervor

3. da sich aber dort die  Produktionsstätte  für die roten und weißen Blutkörperchen befindet, hat der Nährschubmangel lebensbedrohliche Folgen für die Fähe.

Jedoch nicht nur die Knochenmarkshypoplasie ( zumeist mit tödlichem Ausgang) gefährdet das Leben der Fähe, sondern auch die geschwollene Vulva. Sie biete die Grundlage für Infektionen, da die feuchte und warme Umgebung ein idealer Lebensraum für Bakterien und andere gesundheitsschädliche Organismen bietet, was soweit gehen kann, dass durch Infektionen andere Organe, wie zum Beispiel Nieren oder Lunge erkranken können.

 

Daher raten wir dringend zur Kastration von Fähen.

Jedoch streiten sich die Geister über den richtigen Zeitpunkt. Denn einige Tierärzte kastrieren nur außerhalb der Ranz (was wir für unsere Schützlinge auch bevorzugen) und andere wiederum präfrerieren die beginnende Ranzphase, mit gleich guten Erfolgen. Daher denke ich, dass es im Ermessen des behandelnden Tierarztes ist und der korrekte Termin vorab abgesprochen werden sollte.

Bei der Kastration von Fähen werden in der Regel immer die Ovarien (Eierstöcke) und je nach OP-Methode des Tierarztes auch die Uterurshörner (vergleichbar mit der Gebärmutter) entfernt. Verbleibt Ovargewebe im Körper, kann es zu einem späteren Zeitpunkt zum Ovartumor oder auch zu typischen Ranzsymptomen kommen.

 

 

Verbleibt Ovargewebe trotz ausgeführter  Kastration im Körper , so wird gerne dem behandelnden Tierarzt unsauberes Arbeiten vorgeworfen :

jedoch sollten die Frettchenhalter stets bedenken, dass z.B. in der Ranz das Gewebe sehr gut durchblutet und die schwammige Konsistenz vom Eierstockgewebe etwas poröser ist. Hinzu kommt, dass es bei z.B. sehr dicken Fähen, zusätzlich im weißen Fettgewebe eingelagert sein kann, so der behandelnde Tierarzt kaum die beiden Gewebearten unterscheiden kann und daher trotz sorgfältig ausgeführter OP versprengtes Ovargewebe im Körper verleiben könnte. Daher zählt das zu den ganz normalen OP Risiken.

Bei den Rüden sind viele Halter sehr schnell bereit sie kastrieren zu lassen, da sie durch ihre "Triebsteuerung" oft ihr Verhalten gegenüber der Gruppe ändern und die Mitglieder (oder auch nur bestimmte Mitglieder) arg belästigen, so wie auch einen recht starken Eigenduft entwickeln, der das gesamte Umfeld durchdringt. Ca. drei Wochen nach der Kastration verschwinden diese Merkmale weitgehend.

Bei der Kastration von Rüden werden die beiden Hoden komplett entnommen und die Tiere sind in den meisten Fällen direkt nach der OP schnell wieder fit. 

 

 

Jedoch gibt es auch "Ausnahmefälle", wo die Fähen von selber (ohne Deckakt, innerhalb von ca. drei Wochen nach Anschwellen der Vulva) aus der Ranz kommen , aber sie sind äußerst selten geworden und uns sind bisher nur 3 Tiere bekannt, die dann aber ein enormes Alter von 10 - 13 Jahren erreichten. Aber das sind die berühmten Sonderfälle und deshalb sollten sich die Halter nicht darauf verlassen, dass ausgerecht ihre Fähe so ein Prachtexemplar ist und die sichere Variante der Kastration wählen !

 

 

 

Ferner sollte man stets einen erfahrenen Tierarzt zur Kastration (wenigstens für die Fähen ) auswählen, denn bei einer nicht sauber ausgeführten OP könnte versprengtes Eierstockgewebe im Körper verbleiben, was weiterhin periodisch zur Ranz und den damit verbundenen Gefahren führt, oder auch die Ursache für Ovar tumore ist.