Giardien

 

Kamen diese einzelligen Parasiten bis vor einigen Jahren eigentlich nur in den südlichen Ländern vor, so haben sie sich inzwischen auch in unseren Breitengraden zu einer echten Plage entwickelt.  Giardien tummeln sich im Dünndarm der Wirtstiere oder des Menschen und verursachen scheinbar unbehandelbare Durchfallerkrankungen. Die üblichen Untersuchungen von Kotproben bringen zumeist keine positiven Ergebnisse, da Giardien nur mit einem speziellen Untersuchungsverfahren (ELISA) nachweisbar sind, welches wesentlich sensitiver testet.

 

                                                                      

Anmerkung :

Jedoch hat inzwischen schon fast jeder Tierarzt das Giardientest Set nach Dr. Flöck, ein Schnelltest, der auch im Internet bestellbar und Zuhause durchführbar ist.

Wird er wie vorgeschieben gelagert , das Verfallsdatum beachtet und wie im Beipackzelttel beschrieben angewendet, so ist er sehr zuverlässig.  Eine labortechnische Überprüfung zur 100% Sicherheit  ist dann aber durchaus angebracht .     

 

 

  Die Form der beiden Giardien erinnert den Betrachter leicht an eine aufgeschnittene Birne. Die zwei "Augen" sind in Wirklichkeit die Zellkerne mit den Erbinformationen.

 

 

Infektionsweg


Die Infektion erfolgt oral entweder durch eine Schmierinfektion oder durch die Aufnahme von kontaminierter Nahrung bzw. von kontaminiertem Wasser. Hierbei spielt die Düngung mit Fäkalien eine wichtige Rolle, so dass auch Fliegen als Vektoren an der Verbreitung beteiligt sein können .

 

 

Inkubationszeit


Die Präpatenz ( = beschreibt bei der Infektion durch einen Parasiten die Zeitdauer von der Aufnahme der infektiösen Parasiten-Stadien bis zum Auftreten von ersten Geschlechtsprodukten (Zysten) im Stuhl )  dauert 6 - 15 Tage, die Inkubationszeit ( = beschreibt die Zeit, die zwischen Infektion mit einem Krankheitserreger und dem Auftreten der ersten Symptome  ( Durchfall ) vergeht ) wird mit 7 - 21 Tagen angegeben.

 

 

Klinik

 

Nach der Aufnahme kapseln die Zysten im Dünndarm ein und wandeln sich in die Trophozoiten (=die aktiven Formen des Einzellers im Darm ) um. Diese heften sich an die Schleimhaut an und vermehren sich dort. Es kommt zu einer zunehmenden Schädigung der Schleimhaut und zum Ablösen des Epithels. Das klinische Bild zeigt sich häufig in einem chronisch wechselnden Durchfall, der auch Schleimbeimengungen enthalten kann (dann schaut er z.B. sehr hell und schaumig aus, oder grünlich und flockig/kriselig)  und gelegentlich blutig ist. Der Durchfall kann durch die wechselnde Parasitendichte in unterschiedlicher Intensität auftreten. Besonders anfällig sind Jungtiere im ersten Lebensjahr. Neben Diarrhoe kommt es zu abdominalen Schmerzen, und Malabsorption ( = mangelhafte Aufnahme von Substraten aus dem bereits vorverdauten Speisebrei), als Folge daraus kann es zu Abmagerung kommen. Im Serum kann ein deutlicher Abfall an Vitamin B12 festgestellt werden. Bei gleichzeitiger Immunschwäche, können sich die Krankheitssymptome massiv verschlimmern.

 

Merke :

Daneben gibt es beim Menschen und beim Tier aber auch zahlreiche symptomlose Träger und Ausscheider.

 

 

 

Behandlung

 

Eine Behandlung ist in jedem Fall immer dann angezeigt, wenn Tiere klinisch erkrankt sind.
Aber auch wenn keine klinischen Symptome vorliegen und wiederholt Zysten in großen Mengen gefunden werden und somit die Gefahr einer Weiterverbreitung auf andere Tiere oder dem Menschen besteht, ist ebenfalls eine Behandlung angezeigt. Es stehen wirksame Medikamente zur Verfügung, dennoch gestaltet sich eine effektive Bekämpfung der Giardiose oft schwierig, da auch viele klinisch gesunde Träger und Ausscheider für eine Weiterverbreitung sorgen.

Sehr wahrscheinlich muss man die medikamentöse Behandlung bei den erkranken Tieren mehrfach wiederholen, denn die Parasiten können sich im Gallengang verstecken und werden deshalb nicht immer gleich von den Wirkstoffen erreicht.

Wirksame Medikamente gibt es verschiedene. Wir persönlich haben vor einigen Jahren sehr gute Erfahrungen mit Pankur gemacht, aber inzwischen wissen wir von  Vet-Schroeder + Tollisan  die T + K + K-Tabletten sehr zu schätzen. Sie sind relativ günstig, lassen sich sehr gut z.B. mit Vitaminpaste verabreichen und wirken sehr gut.

Da ein hoher Kohlenhydrat-Anteil in der Nahrung zusätzlich begünstigend wirkt, sollte eine leicht verdauliche, kohlenhydratarme Diät begleitend eingesetzt werden. Evtl. kann die Gabe eines Enzympräparates unterstützend wirken.

Darüber hinaus scheint auch ein Produkt aus der Naturapotheke Reinfektionen recht effektiv zu verhindern. Der Geheimtipp, speziell für die Anfangsphase der Rekonvaleszenz, heißt: Kokosöl. Sie bekommen es in jedem Reformhaus, Bio- oder Asia-Laden. Zum Zwecke der Giardienabwehr wird es kurmäßig angewandt und über die Dauer von vier Wochen täglich eingegeben beziehungsweise über das Futter geträufelt. Ein Teelöffel voll für ein rund 20 kg schweres Tier genügt. Da es in dieser Dosierung keinen Schaden anrichtet, sprich, beispielsweise weitere Durchfälle auslöst (Öl in größeren Mengen ist bekanntlich durchschlagend dazu in der Lage!!), können Sie es (in der genannten Dosierung und Anwendungsdauer!!) bedenkenlos probieren. Einen Versuch wert ist es mit Sicherheit. Weshalb Kokosöl derartig „abschreckend“ auf diese Parasiten zu wirken scheint, darüber kann man derzeit nur spekulieren. Wenn wir uns erinnern, besitzen die schmarotzenden Einzeller eine Sauggrube an ihrem Vorderende, mit der sie an der Darmschleimhaut des Hundes andocken. Die starke Haftwirkung zwischen beiden Strukturen, also denen der Giardien und denen des Tieres, kommen durch Oberflächenmoleküle, sogenannte Adhäsine, zustande. An dieser empfindlichen Stelle nun könnte das Kokosöl störend Einfluss nehmen, indem es den Parasiten gewissermaßen haltlos macht und ihm dadurch gleichzeitig seine Nahrungsquelle entzieht. Ohne Nahrung kein Leben; das gilt auch und gerade für Nahrungsschmarotzer wie die Giardien. Doch wie gesagt: Dieser mögliche Wirkmechanismus ist nicht bestätigt.

 

 

Reinigung

Giardien wollen sich verbreiten, und das möglichst effektiv. Natürlich gelingt ihnen auch dies bestens, denn sie bilden Dauerstadien (=Zysten), die ihr Wirt fortwährend und milliardenfach mit seinem Kot ausscheidet. Bislang ist allerdings nicht bekannt, was die Trophozoiten dazu veranlasst, sich einzukapseln und den Wirtsorganismus zu verlassen. Doch sie tun dies regelmäßig, indem sie ihre Zellkerne verdoppeln, eine rundlich-ovale Gestalt annehmen, ihre Geißeln einziehen und sich mit einer gallertigen Wand umgeben, die siezu allem Übel überdies mit einer äußerst widerstandsfähigen dicken Membran umhüllen – einer Hülle, die Wind und Wetter trotzt (und leider auch allen gängigen Desinfektionsmitteln!), so dass die Verbreitungseinheiten mit ihrer gefährlichen Fracht bei feuchter Witterung im Erdboden ebenso wie im Wasser bis zu vier Monate ansteckungsfähig bleiben. (Große Hitze und Trockenheit mögen sie indes nicht).

Daher sollten begleitend v.a. bei einer Mehrfachtierhaltung Hygienemaßnahmen durchgeführt werden. Die tägliche Kotbeseitigung und Reinigung von Böden und Ausläufen führt zu einer Reduzierung der Reinfektionsgefahr. Hierbei ist die Abtrocknung der gereinigten Flächen besonders wichtig !

Da wir  aus hygienischen Gründen mind. 1x im Monat  das Tierheim grundreinigen, verwenden wir dabei Neopredisan in unteschiedlichen Konzentrationen und Einwirkzeit  (je nachdem wogegen es wirken soll, was aber der Hersteller genau beschriebt). Haben wir Giardien, so wird damit der befallene Bereich täglich gereinigt.

Auch die Schlafdecken werden dann gekocht, selbst wenn das bedeutet, dass man sie danach wegwerfen kann. Was auch hilft ist Frost, daher kann man sehr gut im Winter die Kuschelsachen erst draussen (möglichst vor Nässe geschützt z.B. in Plastiltüten verpackt) durchfrieren lassen, wodurch die Zysten der Giardie absterben und dann ganz normal waschen. So vorbehandelt braucht man die Kuschelsachen dann nicht mehr im Kochwaschgang zu reinigen und sie damit ruinieren.

 

Unsere neue Wunderwaffe gegen Gieardien im Umfeld ist ein Sanierungsozongenerator. Dieser kommt jetzt auch regelmäßig im Tierheim zum Einsatz , da er neben der desinfizierenden Wirkung z.B. auch Fliegen und Co beseitigt und wir uns das Putzen mit ätzenden Chemikalien zum Wohle der Tiergesundheit sparen können.