Zeckenbefall

 

 

 

Ansicht von einer Schildzecke im adulten Stadium (links = Weibchen, rechts = Männchen) 

Zoologisch gesehen gehören die Zecken (ihr Fachname ist Ixodida) zu den Milben (Acari). Es gibt zwei große Gruppen von Zecken: Schildzecken und Lederzecken.

Schildzecken sehen recht gut gepanzert aus, weil sie am Rücken ein hartes Schild, das sog. Scutum tragen. Auf dem Bild rechts sieht man das Tier, welches man hier in Deutschland üblicherweise einfach als "Zecke" bezeichnet: Sein lat. Name ist Ixodes ricinus. Es heißt auch Holzbock oder Waldzecke. Beim Weibchen (links) kann man sehr gut das dunkle Scutum auf dem Rücken sehen. Beim Männchen (rechts) ist der ganze Rücken vom Scutum bedeckt.

Die Lederzecken haben dagegen kein hartes Rückenschild, sondern sehen flach, lederartig, und ein wenig runzlig aus. Hier in Deutschland gibt es nicht viele Lederzecken, und diese saugen meist an Vögeln.

 

 

Entwicklungsstadien

Wenn eine Zecke aus ihrem Ei schlüpft, ist sie eine Larve. Sie sucht sich einen Wirt, an dem sie sich festsaugt und vollsaugt. Dann lässt sie sich abfallen und häutet sich. Heraus kommt das zweite Entwicklungsstadium: Die Nymphe. Auch diese sucht sich nun einen Wirt, saugt sich voll, lässt sich fallen und häutet sich nun zum fertigen, geschlechtsreifen Tier, dem sog. Adulten.
Auch die Adulten suchen sich noch einmal einen Wirt. Nach dem Blutmahl legen die Weibchen viele Eier (meist mehrere Tausend) und sterben dann. Die Männchen sterben nach der Begattung. Schildzeckenmännchen saugen bei manchen Arten, bei anderen nicht.
 

 

Larve:
Die Larve der Zecke ist 0,6mm (nüchtern) bis 1,25mm (voll gesogen) groß und hat sechs Beine. Der Rücken ist hell- bis mittelbraun und die weichhäutigen Körperteile sind hellgrau bis graugelb gefärbt. Sie durchläuft mehre Häutungen (Frühling bis Sommer).   Häufige Wirte sind Kleinsäuger ( Mäuse, Ratten, Reptilien)

 

 

Nymphe:
Die Nymphe der Zecke ist 1,2mm (nüchtern) bis 2mm (voll gesogen) groß und hat acht Beine. Der Rücken ist mittel- bis dunkelbraun und die weichhäutigen Körperteile sind hellgraugelb gefärbt.

 

 

Adulte:
Die adulte Zecke ist längsoval, hat acht Beine und ist 2,4mm-4,8mm (nüchtern) bis 12mm (voll gesogen) groß. Der Rücken ist schwarzbraun gefärbt. Das Rückenschild bedeckt bei der männlichen Zecke den gesamten Rücken, während beim Weibchen nur ein Teil bedeckt ist.
 

   

Die meisten Schildzecken sind relativ wirtsunspezifisch.

Dies liegt vermutlich daran, dass sie im wesentlichen Hämoglobin, Albumin, Globulin und Cholesterin verdauen, Substanzen, die im  Blut aller Wirbeltiere enthalten ist.

 

 

 

 

Wirtfindung

Oft wird angenommen, Zecken ließen sich von Bäumen fallen. Das stimmt nicht. Zecken erklettern die Vegetation, wobei Larven bis zu 25 Zentimetern, Nymphen bis zu 50 Zentimetern und erwachsene Zecken bis zu 1,5 Metern Höhe erreichen können. Das ist eine Höhe von ungefähr dem 500fachen der eigenen Körpergröße. Dort klammern sie sich mit ihren hinteren Beinpaaren fest und warten auf einen vorbeikommenden Wirt.

Um einen geeigneten Wirt zu erkennen, haben Zecken im vordersten Beinpaar ein Sinnesorgan, das Haller´sche Organ, das auf thermische und chemische Reize (CO2, Milchsäure) des Wirtes reagiert. Milchsäure ist ein Bestandteil im menschlichen Schweiß. Dieses Organ wird bei der Lauerstellung vorgestreckt und kann so die Reize besser empfangen. Wird nun eine wartende Zecke durch Geruchsreize, durch Änderung im Licht, besonders zum Dunkleren hin oder durch Vibration gewarnt, dass eine mögliche Mahlzeit vorbeikommt, wechselt sie sofort von der Wartestellung in die Lauerstellung. Sie hängt sich dann an alles, was das Blatt oder den Grashalm auf dem sie sitzt, streift.

Wird dann die Zecke abgestreift, sucht sie sich auf dem Wirt eine geeignete Stelle um zuzustecken. Sie bevorzugt Körperstellen mit dünner Haut, die besonders warm sind.

 

 

Übertragung von Krankheiten

Der Steckapparat der Zecke wird Hypostom genannt. Er ist mit Widerhaken versehen. Schon beim Zustechen gibt die Zecke über den Stichkanal Speichel ab, in dem Substanzen enthalten sind, die die Widerhaken fest in die Haut zementieren. Gleichzeitig wird die Einstichstelle betäubt und die normale Wundreaktion bei Verletzungen der Haut, wie Entzündung und Blutgerinnung verhindert.

 

 

Borreliose

Die Erreger der Lyme-Borreliose, das Bakterium Borrelia burgdorferi, befindet sich nicht in den Speicheldrüsen, sondern im Mitteldarm der Zecke. Es gelangt mit den Ausscheidungen der Zecke in dem menschlichen Körper. Das ist der Grund dafür, dass eine Übertragung in den ersten 24 Stunden nach Saugbeginn meistens nicht stattfindet. Der beste Schutz gegen Borreliose ist das gründliche Absuchen des Körpers und eine möglichst schnelle Entfernung von Zecken.

 

 

FSME

Bisher geht man allgemein davon aus, dass die FSME-Viren über den Speichel übertragen werden, da sie sich hauptsächlich in den Speicheldrüsen der befallenen Zecken befinden. Das bedeutet, dass auch eine schnelle Entfernung der Zecke eine FSME-Infektion nicht verhindern kann. Der sicherste Schutz gegen FSME ist eine rechtzeitige aktive Immunisierung. In seltenen Fällen ist auch eine Infektion durch den Genuss von Rohmilch infizierter Kühe, Schafe oder Ziegen möglich. Eine Infektion von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

 

 

 

Wie behandelt man einen Zeckenbefall ?

 

  • Zecken stets so früh wie möglich entfernen (Infektionsrisiko wird gesenkt)

 

  • Zecken nicht zerquetschen!

 

  • Zeckenzange aus Kunststoff oder Fingernagel, möglichst weit vorne anfassen, „Hinterleib“ der Zecke nicht komprimieren.

 

  • Zangen aus Metall sind nicht sinnvoll, da sie die Zecke zerquetschen können und so dazu führen, dass diese ihre Sekrete vor der Entfernung absondert.

 

  • Es sollte nicht mit oder gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden; die Beißwerkzeuge der Zecke haben kein Gewinde. Wichtig ist der Überraschungseffekt. Deshalb die Zecke zackig gerade herausziehen

.

  • Zecken nicht ersticken! Oft findet man die Empfehlung, Arnicatinktur auf die Zecke zu träufeln. Kein Öl, kein Klebstoff, keine ethanolischen homöopathischen Tinkturen; all dies würde die Zecke dazu bringen, im Todeskampf ihre Sekrete zu entleeren.