Kastration

 

Immer wieder wird man mit der Aussage konfrontiert, dass die Kastration von Frettchen verboten sei. Das ist nur bedingt korrekt, denn wer das Tierschutzgesetz aufmerksam liest und auch die Erläuterungen dazu vorliegen hat, stößt sehr schnell auf Ausnahmefälle, die auch auf unsere Frettchen zutreffen. 

Es folgen die wichtigen Passagen :

 

 

Tierschutzgesetz § 6 Abs.7 {Unfruchtbarmachung (5) }

 

(1) Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres. Das Verbot gilt nicht, wenn der Eingriff im Einzelfall

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............(Nr. 5)

* zur Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung oder - soweit tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen - zur weiteren Nutzung oder Haltung des Tieres eine Unfruchtbarmachung vorgenommen wird.

Erläuterung : Die Unfruchtbarmachung kann aus Gründen des Tierschutzes, des Naturschutzes, des Jagdschutzes und der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erforferlich sein.(Bietet z.B. die Rechtsgrundlage für die Sterilisation und Kastration von Katzen)

* zur weiteren Nutzung oder Haltung.

Erläuteung : Bei der Nutzung ist an Arbeitswilligkeit, Mastfähigkeit und Fleischqualität zu denken. Bei der Haltung vor allem an die Verträglichkeit mit anderen Tieren oder Gefährlichkeit für den Menschen. In diesem Fall dürfen tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen. .... Auch um die für die Zucht nicht mehr verwendbaren Tiere weiterhin halten zu können, ist eine Kastration zulässig .

Für mich persönlich erfüllt das Frettchen gleiche mehrere, der hier aufgeführten Punkte:

Denn neben dem Effekt, dass der Rüde in der Ranz seine Paarungsbereitschaft durch einen recht heftigen Körpergeruch seiner Umwelt mitteilt, kann er sich durch seine Triebsteuerung auch in dieser Zeit zu einer echten Plage für seine Gruppenmitglieder entwickeln. Manche Rüden in der Ranz watzen nur unruhig und laut muckernd herum, aber andere überfallen selbst männliche Tiere um sie zu begatten. Einer meiner Rüden machte selbst vor einem 5 Kg Kater nicht halt, der ahnungslos im Körbchen lag und schlief. Das ist der Grund warum einige Halter / Züchter dann auf die Variante der nicht artgerechten Einzeltierhaltung zurückgreifen. Ich persönlich denke, das man diesen Stress den Tieren nicht antun sollte. Aber es gibt auch die berühmten Ausnahmen, die sich relativ normal in der Ranzzeit verhalten, solange keine unkastrierte Fähe in der Nähe ist. Oder gar ein weiterer unkastrierter Rüde in das Territorium eindringt. Denn zwei unkastrierte Rüden haben sich im wahrsten Sinne des Wortes "zum Fressen gern" und fallen in der Regel in absoluter Rauflust übereinander her.

Bei den Frettchendamen ist die Problematik noch offensichtlicher, denn die ungedeckte Fähe kann sogar in die Dauerranz kommen und dieses mit ihrem Leben, oder einer irreparablen gesundheitlichen Schädigung des Rückenmarks bezahlen. Damit sie nicht dieses Schicksal ereilt, bleibt dem Halter nur die Wahl zwischen der Kastration und der Zucht. Jedoch sollte man bei der Alternative : Zucht, stets bedenken, dass auch Würfe mit bis zu 15 lebensfähigen Welpen vorkommen können. Wobei ich der Meinung bin, dass der Standardwurf mit ca. 5-6 Jungtieren auch schon ausreicht, um die Frettchenpopulation weit über die Zahl derer die Jungtiere aufnehmen möchten hinausschießen zu lassen. Daher ist die Kastration der Fähe auf jeden Fall durch das Tierschutzgesetz erlaubt.

 

           

 

 

Anmerkungen:

 

1. Hormonchip

In den letzten Jahren konnten wir beobachten, dass immer öfter Fähen dieser Chip implantiert wurde. Diese zeitlich begrenzte Kastration sehen wir mit sehr gemischten Gefühlen, denn leider verbleiben nicht alle  Frettchen bis zu ihrem Lebensende bei dem Halter, der diese chemische Kastration veranlasst hat und da sie schleichend ausläuft sehen wir hier ein verstärktes Risiko der ungeplanten Frettchenzucht. 

Auch haben wir bei Fähen, wo bereits der erste Hormonchip seine Wirkung verloren hat bei der operativen Kastration ein erhöhtes Risiko von vereiterten Uterushörnern festgestellt.

Ebenso durften wir feststellen, dass wenn der Hormonchip in der Ranzzeit bei Fähen implantiert wurde ein über einige Monate andauerndes Chushing auftrat.

Aus diesen Gründen sprechen wir uns ganz klar gegen die chemische Kastration von Fähen aus, obwohl der Hersteller, den wir bezüglich unserer Erfahrungen kontaktiert haben, für die Verwendung des Hormonchips bei Fähen keine Probleme bei seinen eigenen Versuchsreihen feststellen konnte.

 

2. Risiken bei unkastrierten Fähen:

 

*  Im Aril 2016 hatte Fr. Korger den Fall, dass die inneren Geschlechtsorgane von einer unkastrierten Fähe derartig entzündet und angeschwollen waren, dass sie keinen Urin mehr absetzen konnte und ihre Blase kurz vorm Platzen war. Nur durch eine Not-Kastration konnte das Leben der Fähe gerettet werden.