Bei Tierleid nicht wegschauen -  sondern anzeigen !

 

 
  Ein Blick auf die deutsche Gesetzeslage
   Drei Arten von Tierquälerei
  Anzeigen ? - Was gibt es für Möglichkeiten ?
   Checkliste für eine Anzeige
   Fehler bei einer Anzeige
   Angst vor dem Tierquäler ?

 

Ein Blick auf die deutsche Gesetzeslage

 

Tiere haben keine dem Menschen vergleichbare eigene rechtliche Position. Aber immerhin bieten das Tierschutzgesetz und etliche damit zusammenhängende Verordnungen ihnen – zumindest in der Theorie – einen gewissen Schutz. Und Deutschland gehört, was die Tierschutzgesetzgebung angeht, zu den führenden Ländern.

Im Tierschutzgesetz heißt es: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Als Tierquälerei gilt grundsätzlich, einem Tier „länger anhaltende oder erhebliche Schmerzen oder Leiden“ zuzufügen. Je nach Art und Ausmaß wird Tierquälerei als Ordnungswidrigkeit oder (juristisch eine schwerwiegendere Einordnung) sogar als Straftat geahndet. Und theoretisch sind die Strafen hoch: Dem Tierquäler drohen Beschlagnahmung des Tieres, Haltungsverbot, Bußgelder bis zu 25.000 € und sogar mehrjährige Freiheitsstrafen.

Dass zumindest in der Gesetzgebungstheorie ein Umdenkungsprozess zugunsten der Tiere stattfindet, zeigt auch die Definition im Bürgerlichen Gesetzbuch. Tiere gelten dort nun nicht mehr wie früher als Sachen, sondern seit 1990 immerhin als „schmerzempfindliche Mitgeschöpfe des Menschen“.

Dass schlechte Behandlung und sogar Quälerei aber immer noch alltäglich sind, hat unter anderem die folgenden beiden Gründe:

 

  • Erstens wissen viele Menschen einfach nicht, wie sie artgerecht mit Tieren umgehen müssten und die Tierhaltung ist stark beeinflusst von dem subjektiven Empfinden des Besitzers und seiner persönlichen Einstellung zum Stellenwert seines Haustiers.

 

  • Zweitens gilt Tierquälerei immer noch nicht als „richtig“ ernstes Thema. Spricht man über Tierquälerei, bekommt man oft zur Antwort, dass es ja wohl „wichtigere Dinge“ gebe. Dann werdengerne Kindesmisshandlung, Krankheiten und  Armut angeführt. So rangiert Tierquälerei im öffentlichen Interesse auch heute noch auf einem der hinteren Plätze – und das bedeutet eben auch, dass die Ahndung von Tierquälerei oft nicht so entschlossen betrieben wird, wie es die Gesetzeslage theoretisch zuließe.

 

 

 

 

Drei Arten von Tierquälerei

 

In die Schlagzeilen kommen nur die krassen Fälle: brutale Tierquälerei aus Grausamkeit und Gier. Jedem treibt es die Tränen in die Augen, wenn er auf einem Schutzhof Pferde sieht, denen die Augen ausgestochen wurden oder die durch jahrelange Misshandlungen so irre vor Angst sind, dass sie sich in kleinen Kreisen um die eigene Achse drehen, sobald sich ihnen ein Mensch nähert. Und jeder leidet mit, wenn er ein Foto von einem zu Tode gequälten Tier sieht. Solche Tierquälerei ist aber nur die Spitze des Eisbergs.

Quälerei im Sinne von Leiden und absolut nicht artgerechter Haltung fängt viel früher an. Ein ständiges Massenphänomen, früher wie heute, ist die Quälerei aus Dummheit oder Angeberei. Dazu gehört – ganz aktuell – zum Beispiel, eigentlich friedliche Hunde mit brutalen Methoden aggressiv zu machen. So aggressiv, dass auch das schmächtigste Herrchen daneben irgendwie gefährlich wirkt.

Noch verbreiteter und meist ganz unspektakulär ist die Quälerei aus schlichter Unkenntnis. Millionen Haustiere leiden, weil ihre Halter sich einfach nicht mit ihnen auskennen. Viele Halter haben nicht die leiseste Ahnung, welche Bedürfnisse ihre Tiere naturgemäß haben. Und die beliebte Vermenschlichung macht die Sache nicht besser.

Hunde, Katzen und auch Frettchen können sich in gewissem Umfang noch gegen falsche Behandlung wehren – wobei fraglich ist, ob die Halter ihr Verhalten daraufhin wirklich ändern. Bestenfalls werden die Tiere dann, als bissig oder bösartig eingestuft, abgegeben. Jedoch viele werden einfach ausgesetzt.

Aber am schlimmsten trifft es die kleineren Haustiere, zum Beispiel Meerschweinchen oder Vögel. Sie haben kaum eine Chance, sich bemerkbar zu machen. Auch heute noch ein typisches Meerscheinchen- oder Kaninchenschicksal: jahrelange „Einzelhaft“ in einem Käfig im Kinderzimmer. Psychisch und physisch grauenhaft für jedes Tier. Aber gerade diese alltägliche Quälerei wird von vielen Menschen schlichtweg übersehen – denn bis in die Schlagzeilen kommt so etwas nicht.

 

 

 

Was kann man dagegen tun ?

 

  • persönliches Gespräch:

Auch, wenn es schwer fällt, versuchen, mit dem Halter vernünftig zu reden. Das kann klappen, vor allem, wenn jemand sein Tier schlecht behandelt, weil er es nicht besser weiß. Es weiß eben nicht jeder, dass Frettchen nicht alleine gehalten werden dürfen, das sie einen großen Käfig (der fast nicht im normalen Zoohandel zu kaufen ist) benötigen und trotzdem noch eine mindest Auslaufzeit von 3 Stunden pro Tag benötigen um ausgeglichen zu sein. Ein freundliches Gespräch kann in manchen Fällen tatsächlich helfen. Aber es wirkt längst nicht immer. Und dann?

 

  • örtliche Tierschutzverein :

Bei allen Tierschutzfragen helfen die meisten Tierschutzvereine sehr bereitwillig. Ohne sie geht es in der Praxis auch kaum. Sie können zum Beispiel dabei helfen, eine Beschwerde oder eine Strafanzeige vorzubereiten und weiterzuleiten. Sie können vor allem, wenn es viele Beweismittel gibt, auch selbst eine Beschwerde oder Strafanzeige stellen.

Aber rechtlich gesehen haben die Tierschutzvereine allein nur wenig direkte Befugnisse. Tierschutzmitarbeiter (egal ob angestellter Mitarbeiter oder ehrenamtlicher Helfer vom Kontrollkreis) dürfen zum Beispiel nicht ohne weiteres in eine Wohnung, wenn dort Tierquälerei vermutet wird und der Bewohner des Zutritt verweigert. Wer das wohl darf oder durchsetzen kann, sind eben die Polizei, wenn es ganz akut wird – und grundsätzlich immer die Amtsveterinäre.

Die Tierschutzvereine haben eine undankbare Rolle. Sie werden oft und fälschlich kontaktiert. Ihre Möglichkeiten werden gemeinhin überschätzt. Wichtig zu wissen ist, dass die Tierschutzvereine allein wenig rechtliche Handhabe haben!

 

  • zuständige Amtveterinär :

Wenn man sich schriftlich mit einer Anzeige wegen Tierquälerei beim Amtsveterinär gemeldet hat und den Eindruck bekommt, es würde sich gar nichts tun, fragt man natürlich noch einmal nach. Bringt das alles nichts, kann eine so genannte Dienstaufsichtsbeschwerde bei der nächst höheren Stelle (z.B. dem Leiter vom zuständigen Ordnungsamt) zumindest einen gewissen Handlungsdruck aufbauen.

Auch bei der Strafanzeige – die von jeder Polizeidienststelle aufgenommen und an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet wird – kann es durchaus helfen, noch einmal nachzuhören, was aus der Sache geworden ist. Dazu lässt man sich das Aktenzeichen nennen und wartet etwa vier Wochen ab, bevor man gegebenenfalls nachhört.

Bei offensichtlichen massiven Verstößen gegen das Tierschutzgesetz muss der Weg über das Veterinäramt nicht gegangen werden ( Todesfälle, schlimme Verletzungen, etc ). Dann kann direkt bei der örtlichen Staatsanwaltschaft eine Anzeige erstattet werden.

Erfahrungsgemäß ist es erfolgreicher, dies über einen Rechtsanwalt zu machen. Dieser kennt in der Regel die einzuhaltenden Formalien besser und hat oft direkte Ansprechpartner bei der Staatsanwaltschaft. Auch für das "Nachfragen" bei der Anzeige ist der Rechtsanwalt hilfreich.

 

  • Konflikte :

Am besten steht es um den Tierschutz, wenn Amtsveterinär und Tierschutzverein gut zusammenarbeiten. Aber das ist längst nicht immer der Fall. Konflikte zwischen Amtsveterinären und Tierschutzvereinen sind „vorprogrammiert“ und die Begründung ist plausibel:

Amtsveterinäre müssen formal korrekt vorgehen, Tierschützer sehen unmittelbar Tierleid, das sie natürlich sofort bekämpfen wollen. Zudem ist der Tierschutz auch nur eine der Aufgaben der Amtsveterinäre. Die Fleischbeschau in Schlachthöfen gehört zum Beispiel auch dazu.

Bei der Frage, wie den Tieren am besten geholfen werden soll, gibt es nicht selten erbitterte Auseinandersetzungen, denn Amtsveterinäre haben bei Beschwerden ein „Einschreitermessen“.

Einer der Vorwürfe von Tierschützern an die Veterinäre ist zum Beispiel, dass diese sich auch dann beim Halter anmelden würden, wenn sie das eigentlich nicht müssten – was dem Halter viel Zeit gibt, eine Menge zu vertuschen.

 

  • Erstattung einer Strafanzeige

Dann hilft reden nicht mehr viel – man muss handeln. Aus juristischer Sicht ist dann „Gefahr im Verzug“. Typisches Beispiel im Sommer: Droht ein Hund, im heißen Auto zu ersticken, hilft nur, schnell den Halter zu suchen, die Polizei zu rufen oder den Amtsveterinär. Amtsveterinäre sind Tierärzte oder -ärztinnen, die jeweils bei der Gemeinde, der Stadt oder beim Kreis arbeiten. Man erreicht sie telefonisch über das Ordnungsamt. Gerade außerhalb der Dienstzeiten ist aber auch jede Polizeidienststelle der richtige Ansprechpartner. Bei der Polizei ist man auch genau richtig, wenn man – bei jeder schweren Tierquälerei – Strafanzeige erstatten will.

 

 

 

Checkliste: Was tun bei Quälerei?

 

Zuständigkeit - Polizei, Amtsveterinär:

Das hört sich nach Bürokratie an. Und genau so ist es auch. Wer gegen Tierquälerei angehen will, braucht vor allem einen langen Atem. Eine Beschwerde hat nur Erfolgsaussicht, wenn sie:

  • ganz präzise ist. Dazu erstellt man ein Protokoll. Man schildert – Wichtig! – knapp und sachlich alle Einzelheiten, die man bei Tier und Tierquäler beobachtet hat. Hier sind wirklich exakte Beschreibungen gefragt. Polemik, Wertungen und persönliche Ansichten sind vollkommen fehl am Platz!
  • Besonders wichtig: Orte, Datum und Uhrzeiten! Und: Anonyme Anzeigen haben keine Aussicht auf Erfolg, Zeugen sind gefragt. Der Beschwerdeschreiber selbst sollte sich, vielleicht auch noch andere Zeugen, mit Adresse anführen. Das Schreiben schickt man an den Amtsveterinär
  • und – Kontrolle schadet nicht – auch eine Kopie an den örtlichen Tierschutzverein.
  • Beweismittel sind wichtig ...

... sie sind eine entscheidende Ergänzung zum schriftlichen Protokoll, denn sie können eindrucksvoll dokumentieren, was man beschreibt. Zwei Dinge sollte man im Zusammenhang mit Beweismitteln unbedingt wissen.

Erstens: Die Beweismittel müssen, wenn man eine Beschwerde enreicht oder eine Strafanzeige stellt, sofort an Amtsveterinär oder Polizei weitergegeben werden.

Zweitens: Es ist nicht alles legal, und was erlaubt ist und was nicht, lässt sich auch nicht so einfach zusammenfassen. Legal ist zum Beispiel, eine quälerische Tierfalle oder ein verendetes Tier von öffentlichem Gelände einzusammeln. Auch Fotos von öffentlichem Gelände auf ein Privatgelände sind in etlichen Fällen (sofern sie nicht beispielsweise private Details zeigen) legal.

 

 

 

Fehler bei einer Anzeige

 

  • Einer der Hauptfehler ist, erst nach dem ein Besitzerwechsel stattgefunden hat eine Strafanzeige zu stellen. Das ist zum Beispiel dann schon der Fall, wenn man Tiere aus einer Qualhaltung herausgekauft hat und beim Vorbesitzer somit für den Amtveterinär oder die Polizei keine realen Straftatbestände mehr vorliegen.

 

  • Illegale Beweismittel, die dann schon vorliegen, wenn man unerlaubt von privatem Grund privates Gelände fotografiert. (z.B. unerlaubtes fotografieren der privaten Haltungssituation vom Grundstück des Nachbarn aus)

 

  • Subjektive Einschätzung der Situation, denn man sollte sich stets vor Augen führen, dass die eigenen Maßstäbe nicht allgemein gültig sind und dass zwischen dem wie die Tierhaltung wünschenswert wäre und dem was das Gesetz vorschreibt oft Welten liegen.

 

 

Angst vor dem Tierquäler?

 

Grundsätzlich gilt: Wer bei Tierschutzvergehen als Zeuge auftritt oder genannt wird, hat kein Recht auf Anonymität und Zeugenschutz. So etwas ist juristisch wohl bei Mord, nicht aber bei Tierschutzvergehen (und anderen Vergehen) vorgesehen. Was schützen kann: Wenn man sich an den Tierschutzverein wendet und der die Sache offiziell übernimmt. Sind genügend Beweismittel da, kann der Verein dann selbst aktiv werden, ohne dass man nach außen namentlich genannt wird.